Nütze deine Chance

Gernot Windisch

Nach diesem Motto möchte ich Euch einige Tipps aus meiner langjährigen Erfahrung am Tennissektor geben.
Ich selbst war zu meiner aktiven Zeit als Tennisspieler ein Grundlinienspieler, der sehr aggressiv von der Grundlinie spielen konnte, aber viel zu selten in die Offensive überging. Diese Spielweise ist durchaus wirkungsvoll und man kann damit sehr erfolgreich spielen, doch ist sie mitunter auf Grund der langen Ballwechsel, Halfvolleys, der vielen kurzen Sprints usw. außerordentlich kräfteraubend.
Um Kraft zu sparen, ist es sinnvoll, die Ballwechsel kurz zu halten und öfter ans Netz zu gehen.

Dazu einige Tipps:
Vorerst sollte man den aggressiven vom offensiven Spielertyp unterscheiden.
Ein aggressiver Spieler bevorzugt druckvolles Spiel von der Grundlinie, hingegen der offensive hat den Drang ans Netz vorzurücken, um dort zum Punktgewinn zu kommen, was natürlich heißt, dass ohne ein druckvolles Spiel kaum die Möglichkeit besteht nach vorne zu kommen.
Die Stärken des jeweiligen Spielers und auch die Schwächen sind ausschlaggebend, welche Spielanlage letztendlich bevorzugt wird.
Oftmals beobachte ich, dass das Erkennen und Nützen von Chancen eine große Reserve darstellt, die viele Tennisspieler in fast allen Spielklassen hätten.
Nun drängt sich die Frage auf, warum so viele Tennisspieler auf diese Möglichkeit verzichten Netzpunkte zu machen obwohl das Angriffs- und das Netzspiel doch trainiert und mitunter auch beherrscht werden. (Wohlgemerkt des Netzspielers Grundvoraussetzung).
Natürlich muss ein Angriffsspieler auch Misserfolge, wie  Volleyfehler, Passierbälle des Gegners einstecken können. Er muss aber auch sehen, dass er mit einem Volley punkten oder den Gegner zu einem Fehler zwingen kann.
Man kann nun die Chance als 50:50 betrachten. Doch sollte man nicht vergessen, dass im Falle eines guten Angriffballes der Gegner einem großen psychischen Druck ausgesetzt ist und er sehr oft das Risiko erhöht und dadurch zu Eigenfehlern neigt.
Dies bedeutet, dass man ohne Volley zum Punktgewinn kommen kann. Es ist also entscheidend auf die Qualität des Angriffballes zu achten. Richtung, Platzierung, Länge, vor allem aber Sicherheit sind hierbei von entscheidender Bedeutung. Qualität bedeutet aber nicht !! zu hohes Risiko.
Daher lautet mein Tipp: „Gib dem Gegner eine Chance einen Fehler zu machen“. Es gibt Spieler vor allem in oberen Spielklassen, gegen die dieses „taktische Konzept“ nicht ausreicht. Hier sollte man versuchen, den Gegner zu „lesen“ und wenn möglich, seine Schwächen herauszufinden. (z.B bei RH-Schwäche  Angriffsball auf die RH) Bei Fehlern steigt der Druck und es resultieren noch mehr Fehler.
Es gibt sehr viele Möglichkeiten den Gegner mit Angriffsbällen unter Druck zu setzen (Stop, Slice, Topspin, Drive). Ich bin überzeugt, dass sehr viele Spieler diese Möglichkeiten haben und sich diese Spielanlage aneignen können. Mit gezieltem Training und etwas Mut kann man in Zukunft viele Gegner in Verlegenheit bringen.

Abschließend möchte ich anhand meiner Lieblingsübung zeigen, wie man das Angriffsspiel trainieren kann.
Die hier abgebildete Übung eignet sich optimal um das Vorgehen zum Netz in verschiedenen Variationen zu trainieren.
Überdies ist diese Übung, in der die unterschiedlichen Schläge enthalten sind sehr abwechslungsreich und der Trainer kann durch schülerorientiertes Zuspiel unterschiedlichst gestalten.
Der Spieler bekommt 2 Schläge von der Grundlinie, danach spielt der Trainer einen kurzen Ball. Auf diesen Ball läuft der Spieler ans Netz (Angriffsball) bekommt einen Aufbauvolley und einen Punktvolley abschließend einen Smash.

Bei dieser Übung wird nicht nur auf die Technik der einzelnen Schläge geachtet, sondern auch auf das taktische Ziel des Angreifers. Der Trainer gibt verschiedene Aufgaben, (longline, cross, Angriffsslice, Spin) auf die sich der Spieler einstellen muss.

Abschließend wünsche ich euch viel Spaß beim Üben und viele erfolgreiche Netzangriffe.

 

1 = Rückhand
2 = Vorhand
3 = Angriffsball
4 = Aufbauvolley
5 = Punktevolley
6 = Smash