Individualtraining – der Tennislehrer spielt mit
Heinz Wagner

Gruppentraining - Individualtraining Stabilisierung des Grundlinienspiels

Noch immer wird der Gruppenunterricht im Tennis oft nur als Sparmaßnahme propagiert. Obwohl in den staatlichen Tennisausbildungen der Unterricht in der Gruppe und die dafür erforderlichen Organisationsformen stark forciert werden, ist es nach wie vor für viele Tennislehrer ein Problem qualifizierten Gruppenunterricht anzubieten. Gruppentraining ohne Individualtraining ist undenkbar, erfordert aber vom Tennislehrer Engagement, organisatorisches Geschick und Vorbereitung.

Ohne Zweifel ist der Tennislehrer im Gruppenunterricht wesentlich mehr gefordert als im Einzelunterricht. Er muss sich als Moderator auf sich ständig ändernde Situationen, Stärken und Schwächen und wechselnde Verhaltensweisen von unterschiedlichen Schülern einstellen. Das bedeutet, dass von ihm ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit, geistiger Präsenz und Wachheit gefordert wird. Durch seine Allgegenwärtigkeit vermittelt er den Schülern den Eindruck, dass er „alles“ mitbekommt. Natürlich darf niemand erwarten, dass er alle sich überschneidenden Tätigkeiten überwachen kann.

Eine Ausgewogenheit zwischen Phasen des Erklärens, Lernens, Übens und Anwendens ist wichtig, um einen reibungslosen Ablauf gewährleisten zu können. Damit keine Monotonie oder Langeweile beim Schüler entsteht, sollten nach Möglichkeit immer alle Schüler am Unterrichtsgeschehen beteiligt werden. Durch den Wechsel der Organisationsformen, Aufgabenstellungen, Zuspiel- und Abspielvariationen kann der Lehrer die ganze Gruppe mobilisieren. Auf Grund seiner Erfahrung und seines Wissens und Könnens muss der Lehrer die Gruppenteilnehmer individuell beschäftigen können. In dieser Zeit sollten die restlichen Schüler andere ihnen gestellte Aufgaben selbständig bewältigen.

Organisatorisch ist dies durch das IINDIVIDUALTRAINING in hohem Maße möglich.

Das Individualtraining ist eine Organisationsform, die im Gruppenunterricht nicht wegzudenken ist. Es ermöglicht wesentliche Faktoren das Einzeltrainings, wie ein Eingehen auf das persönliche Lerntempo, die Notwendigkeit der individuellen Betreuung für begrenzte Zeitabschnitte auch im Gruppenunterricht einzusetzen. Unterschiedliche Belastungsmöglichkeiten im konditionellen Bereich können ebenso einfließen, wie auch unterschiedliches technisches Können ausgeglichen werden kann. Im Anfängerbereich werden Probleme, die für den Tennislehrer durch das persönliche Lerntempo seiner Schüler entstehen können, mit Hilfe des Individualtrainings ausgeglichen und während des Gruppentrainings gelöst. Im Fortgeschrittenenbereich besteht durch diese Organisationsform eine Möglichkeit, auf persönliche Wünsche und Erfordernisse der einzelnen Gruppenmitglieder verstärkt einzugehen.

Im Individualtraining soll der Tennislehrer mit dem Schüler Neues erarbeiten, vorhandene Schwächen abbauen, Stärken ausbauen und zu „Waffen“ ausbilden. Die Gruppenmitglieder, die gerade nicht mit dem Tennislehrer spielen, stehen dennoch unter seiner Kontrolle, stabilisieren miteinander bereits Gelerntes oder erfüllen gestellte Aufgaben (z. B. Spiele auf Rekord, Spiele auf Sicherheit und Genauigkeit usw.). Organisiert wird das Individualtraining als Stationsbetrieb. Jeder Schüler übt auf jeder Position für einen festgelegten Zeitraum oder bis zum Erreichen des gesteckten Zieles. Es ist darauf zu achten, dass alle Schüler mit exakt definierten Aufgaben, die es zu erfüllen gilt, betraut werden. Als Tennislehrer wenden Sie in jeder Unterrichtseinheit zumindest eine Übung nach dem Prinzip des Individualtrainings an, um auf jedes Gruppenmitglied besser persönlich eingehen zu können.

 

 

Heinz Wagner

Staatlich geprüfter Tennistrainer

Lehrbeauftragter an den Bundesanstalten für Leibeserziehung in Graz und Innsbruck

Mitglied der Lehrkommission des ÖTV

Mitglied des VTÖ

Autor des Buches:
TENNIS – Erfolgreich Gruppentraining

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