„
Waffe“ oder Spieleröffnung -
Der Aufschlag als leistungslimitierender Faktor
Robert Maieritsch
Durch meine Tätigkeit als Verbandstrainer und verstärkt im Zuge meiner Diplomarbeit, beschäftigte ich mich im Speziellen mit dem Aufschlag. Für viele Experten gilt der Aufschlag neben dem Return zu den wichtigsten Schlägen im Tennissport. Der Aufschlag ist der erste Schlag in einem Punkt und auch der einzige der vom Gegner nicht beeinflusst werden kann. Trotz der uns sicher bewussten Tatsachen, gibt es in Österreich keine nennenswerten guten Aufschläger.
Liegt das am Stellenwert dieses Schlages, an der Tradition, die sich im Lehrwesen wiederspiegelt oder an den in Europa verbreiteten Sandplätzen?
An der österreichischen Schulmethodik kann es meiner Meinung nach nicht liegen. Wir verfügen mit der von Dr. Hauer entwickelten Kontrollpunktmethode und ihrer detaillieren Auflistung der Einzelschritte, über ein weltweit einzigartiges und anerkanntes Methodiksystem.
Vielmehr liegt die Problematik in der Wertschätzung. In Amerika, Australien und auch Schweden legt man viel mehr Augenmerk auf den Aufschlag. Sicher liegt es in erster Linie an den schnelleren Belägen, auf denen die Nationen spielen. In gewisser Weise mag es auch an der Tradition liegen oder darauf zurückzuführen sein, dass schon im Unterricht dem Aufschlag viel mehr Zeit gewidmet wird, als es bei uns der Fall ist.
Bei uns zu Lande „überfüttert“ man die Jugendlichen mit den Grundschlägen und treibt sie zur Perfektion, bevor man sich überhaupt dem Aufschlag widmet. Doch eigentlich ist der Aufschlag der wichtigste Schlag, wenn man bedenkt, dass wenn dieser nicht funktioniert die anderen Schläge gar nicht zum Einsatz kommen.
Findet man den Schwerpunkt Aufschlag in einer Trainingseinheit, begehen die meisten den Fehler sich viel zu viel mit den räumlichen Bewegungsabläufen zu versteifen, der bis zum absoluten Übermaß automatisiert wird. Viel mehr sollte man nach dem Erlernen eines soliden Bewegungs-Grundprogrammes den zeitlich-dynamaischen Ablauf forcieren und im Bereich Schnelligkeit arbeiten, um Steigerungen im Bereich der Aufschlaggeschwindigkeit zu erzielen. (z.B.: 5 mal 5 Bälle mit maximal platzierbarer Geschwindigkeit, anstatt 150 mal die schon automatisierte Bewegung!)
Man muss daher schon beim Nachwuchs ansetzen und darauf achten, dass sich ihre Einstellung gegenüber dem Aufschlag verändert. Das wäre möglich indem man vermehrt mit Geschwindigkeitsmessungen und Platzierungsflächen arbeitet.
Dann bin ich überzeugt, dass früher oder später auch aus unserem Land sehr gute Aufschläger hervorkommen werden.
Durch kurze Auszuge aus meiner Diplomarbeit möchte ich die Wichtigkeit des Aufschlages besser hervorheben. Mit dem Kapitel „Analyse des Tennissports“, die von Zeitlichen Dimensionen, Schlaghäufigkeit, Räumlichen Dimensionen, Ballgeschwindigkeiten und Ballflugzeiten handelt, versuche ich die Unabkömmlichkeit eines guten Aufschlages zu verdeutlichen.
Haben Sie gewusst:
Ø Eine Faustregel besagt, dass man eine durchschnittliche Gesamtspielzeit von ca. 7-8% auf Grasplätzen, bis max. 30% auf Sandplätzen beträgt.
Ø Im Männertennis liegt die durchschnittliche Zeitdauer eines Punktes auf Gras bei 2,7 sek., auf Hartplätzen 6,5 sek. und auf Sand bei 8,3 sek. Die Damen Spielen auf Gras doppelt so lang (5,4 sek.), auf Hartplätzen 6,6sek. und auf Sand 10,7 sek.
Ø Spielpausen liegen bei den Herrn bei 25,6 Sekunden bevor sie den nächsten Ball spielen. Die Dauer der Pausen bei den Damen erstreckt sich auf 19,4 Sekunden.
Ø Das Verhältnis von Belastung zur Regeneration beträgt bei Männern 1:4,4 und Damen 1: 2,6
Ø Die durchschnittliche Schlaghäufigkeit auf Gras liegt bei 2,1 Schlägen, auf Hartplatz bei 5,1 und auf Sand bei 6,8 Schlägen. Daraus ergibt sich das die Herrn im Durchschnitt nur 1,05 bis 3,4 Schläge zur Verfügung hat. Bei den Damen liegt die Anzahl der Schläge bei 1,8 bis 5 Schlägen.
Ø Aufschlag und Return zusammen machen ein Drittel aller eingesetzten Schläge aus.
Ø Die durchschnittlich zurückgelegte Weglänge während eines Ballwechsels liegt bei 14-17 Meter.
Ø Durchschnittliche Aufschlaggeschwindigkeiten bei den Herrn zwischen 190-210 km/h und bei den Damen 160-190 km/h.
Ø Der Geschwindigkeitsverlust vom Schläger des Aufschlägers bis zum Return beträgt mehr als 50%.
Ø Ballflugzeiten liegen bei 450-900m/s.
Ø Bei einem Grundlinienduell ist der Ball 1-1,5 sek. in der Luft.
Wenn man sich diese Zahlen durch den Kopf gehen lässt und kritische Schlüsse zieht, so ist die Bedeutung von Aufschlag und Return nicht in Zweifel zu ziehen.
Jeder Wettkampfspieler sollte sich bewusst machen, dass sein Aufschlag sein Spiel um Klassen auf- oder auch abwerten kann und oft den Schlüssel über Sieg und Niederlage in sich birgt.
NEW CHANCE – FIRST SERVE!
Zur Person:
Mag. Robert Maieritsch
Viktor Kaplangasse 13
8045 Graz
Tel.: 0650/5317786
Studium der Sportwissenschaften (2001)
Staatl. Tennislehrwart 1997
Staatl. Tennislehrer 1999
Staatl. Tennistrainer 2002