Tennis
trotz Asthma?
Dr. med. univ. Lukas Grafenauer
Asthma bronchiale ist eine der häufigsten chronischen Krankheiten im Kindesalter: Es betrifft zwischen 10 und 15 Prozent aller Kinder. Bei etwa der Hälfte verliert sich die Erkrankung bis zum Erwachsenenalter. Nach offiziellen Angaben leiden in den Industriestaaten insgesamt etwa fünf Prozent der Bevölkerung unter Asthma. Das sind in Österreich an die 400.000 Menschen. Tennis trotz Asthma? Als begeisterter Tennisspieler, staatl. geprüfter Tennistrainer, Lungenfacharzt und Sportarzt wird diese Frage sehr häufig an mich gestellt, welche ich im folgenden Beitrag behandeln werde.
Belastungsinduziertes Asthma bronchiale betrifft Kinder und Erwachsene und spielt eine große Rolle hinsichtlich der Lebensqualität, im Besonderen bezüglich sportlicher Betätigung. Nach Angaben der WHO leiden 70 – 90 Prozent aller asthmatischen Kinder an belastungsinduziertem Asthma bronchiale. Die Häufigkeit bei Erwachsenen scheint etwas geringer zu sein. Diese Zahlen stimmen auch in etwa mit meiner persönlichen Erfahrung überein, die ich in meiner Lungenfachärztlichen und Sportmedizinischen Praxis gemacht habe.
Die Erhebung einer genauen Vorgeschichte führt uns in vielen Fällen bereits zur Diagnose des exercise induced Asthma bronchiale (EIA). Häufig tritt die typische Symptomatik einige Minuten nach intensiver körperlicher Belastung (z.B. „Tennisrallye “) auf, wobei die Intensität und Art der Belastung, die die Beschwerden auslöst, von Patient zu Patient variiert. Typisch ist das Auftreten von Husten oder Atemnot mit Giemen , wobei sich häufig das Maximum der Beschwerden 5-15 Minuten nach Belastungsende entwickelt und nach 20-45 Minuten die Symptomatik wieder verschwindet. Bei der Hälfte der Patienten ist anschließend eine Refraktärperiode zu beobachten, bei der körperliche Belastung keine oder kaum mehr Beschwerden in den nächsten 2-4 Stunden auslöst. Neben der Anamnese kommen in der Diagnosestellung auch Belastungstests (Laufband, Fahrradergometer, Feldtests) zur Anwendung, welche gegenüber dem Ausgangswert einen FEV1 – Abfall (=Parameter für Lungenvolumen) von mindestens 10-15 Prozent einige Minuten nach Ende der Belastung nachweisen sollen.
Belastungsinduziertes Asthma bronchiale betrifft bei weitem nicht nur Leistungssportler. Die oben angeführten Zahlen unterstreichen die Bedeutung des EIA. Umgekehrt jedoch können unter adäquater Therapie in jeder Sportart auch mit Asthma bronchiale Bestleistungen erzielt werden. Dies haben schon einige Spitzenathleten unter Beweis gestellt.
Sport im allgemeinen verbessert die Lebensqualität eines Menschen egal ob ohne oder mit Asthma bronchiale. Früher wurden Kinder mit Asthma häufig vom Tennisunterricht oder Schulsport befreit und damit auch häufig in eine Außenseiterrolle gebracht. Dies darf heute nicht mehr der Fall sein! Wir haben geeignete Therapiemöglichkeiten, die das Auftreten von Asthmabeschwerden verhindern können. Eltern, Tennislehrer, Kindergärtner, etc. müssen noch mehr über die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter aufgeklärt werden. Es soll klar gemacht werden, dass zwar eine konsequente Therapie erforderlich ist, welche das Schulkind einnehmen muss, jedoch unter dieser das Kind mit Asthma bronchiale genau dieselben sportlichen Leistungen bringen kann wie ein Mitschüler ohne dieser Erkrankung.
Asthma bronchiale bedarf einer konsequenten, dem Schweregrad der Erkrankung angepassten Therapie. Unter adäquater Therapie ist auch das Belastungsasthma sehr gut in den Griff zu bekommen und hat behandelt, eine günstige Prognose.
Im Rahmen des Leistungssports sind Doping-Kontrollen üblich.
Seit 1. September 2001 ist Oxis® (= Formoterol = Bronchienerweiterer mit raschem Wirkeintritt und langer Wirkdauer zur Asthmatherapie ) vom internationalen Olympischen Komitee (IOC) auch für die Verwendung bei internationalen Sportveranstaltungen zugelassen, sofern für den Sportler belastungsinduziertes Asthma oder Asthma diagnostiziert wurde. Diese neue Regelung wurde von den Sportverbänden Österreichs bereits anerkannt und hat durch eine Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt in Österreich am 31.10.2001 Rechtsgültigkeit erlangt. Diese Änderung hat bewirkt, dass auch Leistungssportlern erstmals ein rasch und langwirksamer Bronchienerweiterer zur Verfügung steht.
Voraussetzung für eine gute Mitarbeit des Patienten ist eine genaue Aufklärung und Schulung des Patienten über seine Erkrankung und den Umgang mit den Medikamenten bzw. der Inhalationstechnik. Bei richtiger Anwendung spürt der Patient recht bald eine Besserung der Beschwerdesymptomatik – der Patient kann z.B: einen längeren Ballwechsel ohne Husten, Pfeifen in den Bronchien oder Atemnot durchhalten. Damit steigt das Vertrauen in die Therapie und langfristig die Mitarbeit des Asthmapatienten.
1.) Sport und regelmäßige Medikamente sind kein Ersatz für die am besten vom Lungenfacharzt verordnete meist inhalative Therapie. Auch wenn Sie beschwerdefrei sind, sollten Sie die verordneten Medikamente regelmäßig einnehmen. Das ist eine unabdingbare Voraussetzung für alle sportlichen Aktivitäten.
2.) Auch wenn Sie sich gut fühlen, kann es im Rahmen sportlicher Aktivitäten zu einer Verschlechterung kommen. Medikamente für den Notfall (Bronchienerweiternder Spray) sollten daher immer in Griffweite sein. Wichtig ist zudem, dass Sie die Medikamente auch im Rahmen eines Notfalls richtig anwenden können.
3.) Tennis mit Asthma bronchiale kann nur bei guter körperlicher Verfassung und richtiger Medikation gespielt werden. Daher ist vorab ein Leistungsmedizinischer Test mit Durchführung einer Lungenfunktionsuntersuchung zu empfehlen.
4.) Die wichtigste Regel bei einem drohenden Asthmaanfall lautet: Ruhe bewahren und bewusst atmen. Inhalieren Sie Ihr bronchienerweiterndes Medikament. Nehmen Sie eine Körperhaltung ein, die das Atmen erleichtert: breitbeinig und bequem hinsetzen, mit den Ellbogen auf den Oberschenkeln abstützen und den Rücken rund machen. Atmen Sie eine Sekunde lang ein und zwei Sekunden lang mit der Lippenbremse aus. Dadurch werden die Bronchien ein wenig aufgebläht und Sie verhindern, dass es zu einem Verschluss kommt.
5.) Fürchten Sie sich nicht vor Nebenwirkungen: Die Asthmamedikamente sind bei richtiger Anwendung weitgehend nebenwirkungsfrei. Unbehandelt hingegen kann es unter Umständen zu einem schweren Asthmaanfall kommen.
Es stehen uns somit heute – im Unterschied zu früher – bei richtiger Einstellung und Anwendung Medikamente zur Asthmatherapie zur Verfügung, welche jedem Tennisspieler mit Asthma bronchiale von lungenfachärztlicher und sportmedizinischer Seite her ermöglichen, ohne Limitation seiner pulmonalen Leistungsfähigkeit Wimbledonsieger zu werden.
Ordination:
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