Fortbildungsseminar
Steiermark 2002
Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit
VTÖ-StTV-Landessportabteilung Steiermark
Die vorliegenden Ideen basieren auf der guten Zusammenarbeit von drei Institutionen:
· Schweizerischer Tennisverband, Swiss Tennis
· Tennislehrerverband der Schweiz, TVS
· Jugend + Sport, J+S
Leiter-Sein ist eine Herausforderung. Wissen und Können, Erfahrungen und Erlebnisse prägen die Leitertätigkeit. Viele Elemente tragen dazu bei, dass das Unterrichten von Kindern und Jugendlichen Freude macht und längerfristig motiviert.
In der Ausbildung werden mit einem Modell die wesentlichen Beziehungen aufgezeigt. Im Zentrum dieses Handlungsmodelles steht der Dialog zwischen Lernenden und Lehrenden, aber auch zwischen den Methoden und den verschiedenen Themen, welche die Sportart bestimmen.
Unser Modell wurde aus dem Gedankengut von Arturo Hotz entwickelt. Die graphischen Darstellungen basieren auf der Publikation des Schweizerischen Interverbandes für Skilauf und der Eidgenössischen Sportschule Magglingen, 1998 «Schneesport Schweiz – Die Kernkonzepte».
Der
Dialog zwischen Lernenden und Lehrenden im Spannungsfeld zwischen methodischen
Aspekten und Themen: Die «liegende Acht» zeigt diese Verwobenheit und diese
Zusammenhänge. Dadurch wird das «Eine» mit dem «Andern» in eine
Dialog-Beziehung gebracht. Die Acht symbolisiert sowohl den Ich-Du-Dialog wie
auch die Ich-Umwelt-Beziehung. Der stete Wandel und die Wiederkehr bestimmter
Akzente und Anliegen sind Wesensmerkmale des dialogischen Prozesses.

Die Lehre des Unterrichtens im Sport umfasst in der Kernstruktur drei Konzepte: das pädagogische, das methodische und das thematische Konzept. Im Dialog zwischen Lernenden und Lehrenden werden Informationen und Erfahrungen ausgetauscht. «Methodische Aspekte» zeigen auf, wie «Themen» lernwirksam vermittelt werden können.
Das «Pädagogische Konzept»
Im Zentrum des pädagogischen Konzepts steht der partnerschaftliche Dialog zwischen Lernenden und Lehrenden. Der Austausch von individuellen Erfahrungen sowie für den Lernprozess wichtigen Informationen prägt diese Kooperation. Dies führt zu einer durch Vertrauen und Verantwortung gekennzeichneten Wechselbeziehung. Daraus entwickelt sich ein ganz bestimmtes Lernklima.
Das «Methodische Konzept»
Die in den methodischen Lern- und Lehrmodellen gesetzten methodischen Akzente zielen auf eine möglichst handlungs- und lernwirksame Kommunikation. Im Zentrum unserer pädagogisch-methodischen Arbeit steht nicht alleine der Aspekt der Leistungsoptimierung. Auch die Persönlichkeitsentwicklung aller Beteiligten dürfen wir nicht aus den Augen verlieren.
Das «Thematische Konzept»
Das thematische Konzept umfasst Themen zur Entwicklung der individuellen Handlungskompetenz im Lern-Lehrprozess. Das sportartspezifische Anforderungsprofil erleichtert und bestimmt die Themenwahl für ein erfolgreiches Training. Die Prinzipien der Leistungsentwicklung gilt es konsequent zu berücksichtigen, denn sie führen zielorientiert zur Optimierung der sportlichen Leistung.
Ausbildungsphilosophie im Schweizer Tennis
«Ganzheitliche Ausbildung» heisst im Tennis spielbezogene Ausbildung. Das Spiel bestimmt das Training und nicht umgekehrt. Im Spiel erkennen Leiterinnen die handlungsrelevanten taktischen, koordinativen/technischen, psychischen und konditionellen Kompetenzen. Sie gilt es in entsprechenden Spielsituationen, mit spielgerechtem Tempo und der entsprechenden Qualität komplex zu trainieren. Unterrichtende müssen Kinder und Jugendliche immer wieder in Situationen versetzen, in welchen sie gezwungen werden, die richtige taktische Lösung zu wählen, um sie dann motorisch auszuführen. Die Stoffauswahl ist demnach besonders wichtig, denn wie «man» spielen will, so muss «man» trainieren, und wie «man» trainiert, so wird «man» spielen.
Ziel ist es, dass unsere Spielerinnen und Spieler spielfähig und erfolgreich werden.
· Wir unterrichten Tennis als Spiel.
· Wir orientieren uns an der GAG-Methode.
· Wir entwickeln das Tennisspiel unserer Kinder und Jugendlichen, denn es ist evolutiv.
· Wir unterrichten Tennisschläge für die Lösung bestimmter Aufgaben.
· Wir stellen sinnvolle Aufgaben, damit unsere Spielerinnen und Spieler ihre Lösungen wenn immer möglich selbst herausfinden können.
· Wir helfen korrigierend oder ergänzend dort, wo unsere Spielerinnen und Spieler nicht von alleine eine geeignete Lösung finden.
· Wir lehren die Tennisschläge ganzheitlich und global.
· Wir berücksichtigen beim Unterricht die Situation.
Erlebnisorientiert unterrichten
Tennis ist ein spannendes Spiel und zieht immer wieder Kinder, Jugendliche und Erwachsene durch seine spezifische Herausforderung und Faszination in seinen Bann. Das Erleben dieser Herausforderung und Faszination steht beim Tennisunterricht im Zentrum. In einem erlebnisorientierten, spannenden und vielfältigen Unterricht lernen Spielerinnen die wesentlichen Elemente des Tennisspiels mit Leichtigkeit und sie erwerben eine oft schon meisterhafte Spielfähigkeit.
Die Hauptaufgabe ist es also, Spielerinnen zu befähigen, mit Freude selbstständig Tennis spielen zu können. Mit der jederzeit spürbaren Begeisterung für das Tennisspiel und mit einem sorgfältig vorbereiteten und animierend gestalteten Tennisunterricht können Leiterinnen diese interessante Aufgabe erfüllen.
Ganzheitlich – Analytisch – Ganzheitlich (GAG) - Idee von GAG
Ein Spiel lernt man am besten, indem man es spielt, ohne ganz auf das systematische Entwickeln von taktischen, koordinativen/technischen, konditionellen und psychischen Kompetenzen zu verzichten.
Die Idee von GAG besteht darin, das Tennisspiel von Anfang an durch spielen – üben – spielen – üben – spielen – usw. zu erlernen. Auf diese Weise werden bereits im Anfängerbereich Koordination/Technik und Taktik eng miteinander verknüpft, denn Bewegungen dienen der Lösung spieltaktischer Aufgaben. Für Kinder und Jugendliche ist es dadurch von Beginn an möglich, ein sinnvolles, individuelles Verhalten auf dem Tennisplatz zu erwerben. Damit entfällt ein wesentlicher Nachteil der traditionellen Ausbildung, bei der die einzelnen Bewegungen sehr lange, technikorientiert und ohne taktische Aufgabenstellung isoliert geübt werden, bevor sie dann oft viel später beim Spielen zum Einsatz kommen.

Lektionsplanung
Die Idee von GAG darf nicht zu Ziel- und Planlosigkeit führen. Unterrichtende sollen ihre Lektionen auch in Zukunft vorbereiten und entsprechende Eventualplanungen machen, um so fähig zu sein, den Unterricht sinnvoll zu lenken.

GAG in einer Lektion
Nach dem Einstimmen/Aufwärmen wird im ersten Spielteil (G) der Lektion ein Spiel um Punkte inszeniert. Die Elemente, die in der Lektion den Schwerpunkt bilden, sollen dabei häufig vorkommen. Spielerzahl, Feldgrösse, Regeln und Material werden sinnvoll angepasst. Leitende beobachten und beurteilen, sie können so momentane Stärken, respektive Schwächen erkennen. In einzelnen Fällen beraten sie und machen bereits Korrekturen.
Die gewonnenen Erkenntnisse fliessen in den analytischen Teil (A) ein. Auf jedem Lernniveau werden Teilaspekte wie koordinative/technische Elemente oder taktische Situationen des Spiels verbessert. Die drei Lehr- und Lernstufen
1. «Voraussetzungen schaffen» – «Erwerben und Festigen»
2. «Vielfalt ermöglichen» – «Anwenden und Variieren»
3. «Kreativität fördern» – «Gestalten und Ergänzen»
sind zu berücksichtigen. Gute Übungen sind spielnahe und enthalten den Reiz, die Faszination und die Spannung des Spiels.
Der zweite Spielteil (G) der Lektion dient der Umsetzung, es wird um Punkte gespielt. Unterrichtende beobachten und beraten, falls notwendig, und können so die erzielten Fortschritte wahrnehmen.
Mit einem gemeinsamen Ausklingen wird die Lektion abgeschlossen. Auslaufen und Dehnen beschleunigen die Regeneration und erhöhen das Wohlgefühl nach einem Training oder nach einem Wettkampf.
Einspielen
Häufig wollen Spielerinnen und Spieler zu Beginn der Lektion einige Bälle schlagen, um den eigenen Rhythmus zu finden. Dies soll nach dem Einstimmen/Aufwärmen und vor dem ersten G-Teil Platz haben.
Verbindung G – A – G
Es ist wichtig, dass diese drei Lektionsteile aufeinander abgestimmt sind.
Marcel K. Meier, Magglingen
Die Seminarunterlagen zur Fortbildung können Sie im Sekretariat des VTÖ unter der Tel. 0316/46-10-61 oder Mail: vtoe@aon.at zum Preis von EUR 16.- bestellen.
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